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Gedanken eines Feuerwehrmannes

Ab und zu kommt der Feuerwehr - oder zumindest einigen Mitgliedern - zu Ohren, ob es denn sein muss, dass die Einsatzkräfte mit ihren Privat Pkws sich so flott zum Feuerwehrhaus bewegen müssen oder Einsatzfahrzeuge mit Folgetonhorn und entsprechender Geschwindigkeit an den Einsatzort anrücken.


Oftmals liegt der Grund aber darin, dass sich zum Zeitpunkt der Alarmierung die angegebene Situation völlig von jener, die die Helfer in der Praxis erwartet, unterscheiden kann. Dies ist sehr oft durch die jeweils vom Notrufabsetzenden angegebenen Beschreibung abhängig. Dazu eine kleine Geschichte, wie sie sich jederzeit auch in der Realität abgespielt haben könnte oder kann.

 

Ein Beispiel:


Es ist eine ruhige, laue, zu Ende gehende Sommernacht. Die Uhr zeigt 05.12 Uhr. Feuerwehrmann (wir nennen ihn in diesem Beispiel Alfred) Alfred liegt im Bett und schläft. Der Berufsverkehr auf der B 319 hat bereits eingesetzt.
In der Landeswarnzentrale gelangt zu dieser Zeit ein Notruf von der Polizeiinspektion Königsdorf ein, der einen Verkehrsunfall im Einsatzbereich der Feuerwehr Rudersdorf meldet.

Ob Personen eingeklemmt sind oder nicht bzw. wie schwer der Unfall ist, kann die Leitstelle der Polizei auch noch nicht sagen, da sie den Notruf genau so bekommen hat und deren Einsatzfahrzeug auch soeben erst abgeschickt worden ist.

 

05.13 Uhr. Die Landeswarnzentrale alarmiert über Funksirenensteuerung, Piepser und Handy SMS die Freiw. Feuerwehr Rudersdorf mit dem Spruch: "Verkehrsunfall auf der B 319 in Dobersdorf, möglicherweise eine Person einklemmt".

Die ruhige Sommernacht wird in Rudersdorf wenige Sekunden später durch den Beginn des Heulens der Sirene unterbrochen. Weitere Sekunden später wird unser Feuerwehrmann spätestens durch das nun einsetzende Piepsen seines Feuerwehrpiepers aus dem Schlaf gerissen.
Hektisch zieht er sich notdürftig an, läuft zu seinem Auto und rast damit zum Feuerwehrhaus.


Kurz darauf verlässt das erste Einsatzfahrzeug mit Blaulicht das Feuerwehrhaus. Da der Pendlerverkehr bereits eingesetzt hat, bedarf es des Einsatzes des Folgetonhornes, um so zu versuchen, sich eine rasche Einfahrt in die Bundesstraße zu verschaffen.

Nicht immer bleibt deswegen ein Autofahrer stehen und der Fahrer des Rüstlöschfahrzeuges drängelt sich vorsichtig nach vorne, bis endlich ein Fahrzeug anhält und das Einsatzfahrzeug rauslässt.

 

Bereits nach kurzer Fahrt gelangen die Helfer an das Stauende. Mit Folgetonhorn biegt der Kraftfahrer des Feuerwehrfahrzeuges auf die linke Fahrbahnseite und fährt der Unglücksstelle entgegen.

Auf dieser Seite entgegenkommende Pkw-Lenker fahren vorsichtig an den Fahrbahnrand und das schwere Einsatzfahrzeug fährt sozusagen in 3. Spur zwischen den Fahrzeugen weiter, bis die Einsatzstelle erreicht wird.


Dort angekommen winken die Leute des Rettungsdienstes die Feuerwehr nach vorne, ein "schlechtes" Zeichen, denn in diesen Fällen ist meist eine Person eingeklemmt. Das Fahrzeug rückt vor, die Arbeit der Helfer beginnt...

 

Beispiel 2:


Es könnte ein Sonntagvormittag oder auch ein verkehrsstarker Freitagnachmittag sein; Urlauberverkehr Richtung Ungarn könnte eingesetzt haben.

Wieder könnte die Alarmierung und der Ablauf bis zum Eintreffen am Einsatzort derselbe sein. Der Unterschied läge nur darin, dass keine Person verletzt ist und nach der hektischen Anfahrt zur Unfallstelle nur ein Pkw aus einem Straßengraben zu bergen ist...

 

Was wollen wir damit sagen?


Die beiden geschilderten Fälle sollen Ihnen deutlich machen, dass das Szenario an der Einsatzstelle trotz der gleichen Einsatzmeldung oft völlig unterschiedlich sein können. Dies ist aber den Einsatzkräften bei der Alarmierung oft völlig unbekannt und sie rücken folglich mit "Nachdruck" zur Unfall- oder Einsatzstelle aus.

 

Aufgrund der Alarmmeldung bewegen sich auch die Mitglieder raschest zum Feuerwehrhaus, da rascheste Hilfe notwendig zu sein scheint. Erst an der Einsatzstelle selbst sehen auch die Helfer, womit sie konfrontiert werden.
 
Bei der Feuerwehr Rudersdorf war es auch schon mal umgekehrt. Eine harmlose Alarmierung zur Fahrzeugbergung stellte sich als schwerer Unfall mit Bergung eingeklemmter Personen dar.


So mancher „Nicht- Feuerwehrmann“  sollte sich, bevor er Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr mit abwertenden oder strengen Worten konfrontiert, an diese Zeilen erinnern.